Zilpzalp (Bild: Dennis Nedry)

Gespräche im Wald

Der Zilpzalp - einer der Vögel, die ihren Namen rufen (Bild: Dennis Nedry)
Der Zilpzalp - einer der Vögel, die ihren Namen rufen (Bild: Dennis Nedry)
Rehe bellen, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen.
Rehe bellen, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen.
Schlehenstrauch bei der Blüte
Schlehenstrauch bei der Blüte
Die Traubenkirsche sendet optische und olfaktorische Signale, um bestäubende Insekten anzulocken.
Die Traubenkirsche sendet optische und olfaktorische Signale, um bestäubende Insekten anzulocken.

Wenn Dich im Wald jemand anbellt, muss das nicht unbedingt ein Hund sein. Es könnte auch ein Reh sein, das sich vor Dir erschrocken hat. Auch sonst ist es im Wald häufig gar nicht still. Es finden viele Unterhaltungen statt. Am lautesten sind in der Regel die Vögel. Da ist zum Beispiel der Zilpzalp, der unablässig seinen Namen ruft. Oder vielleicht ruft er eher den Namen seiner Artgenossen, die ja genauso heißen wie er – denn warum sollte er sich selbst rufen? Auch junge Buntspechte rufen recht ausdauernd. Wenn es ungefähr so klingt, als wäre die Spülmaschine mit Ihrem Waschprogramm fertig, dann sind das die Buntspechtbabies, die nach ihren Eltern oder vielmehr nach ihrem Futter rufen.


Einer der geschwätzigsten unserer heimischen Vögel: der Star

Aber es gibt nicht nur hörbare Unterhaltungen im Wald. Andere Mitteilungen sind zu sehen oder zu riechen: Wenn im Frühjahr die Traubenkirsche in prächtigem Weiß blüht, ist das ein optisches Signal. Zusätzlich strömt sie dabei auch einen süßen Duft aus, der den Insekten erzählen soll, dass es hier Arbeit für sie gibt, für die sie auch belohnt werden. Auf weniger willkommene Insekten machen sich die Bäume gegenseitig aufmerksam: Wenn Schädlinge unterwegs sind, strömen sie ebenfalls chemische Signale aus. Das ist für die anderen Bäume ein Anlass, Ihre Schutzmechanismen zu aktivieren, also zum Beispiel Schädlingsbekämpfungsmittel zu produzieren.


Blüte der Traubenkirsche

Und selbst unter der Erde werden fleißig Botschaften verschickt. Die Baumwurzeln sind zwar nicht untereinander direkt vernetzt, aber viele Bäume verbünden sich mit Pilzen. Eine sogenannte Mykorrhiza sorgt einerseits dafür, dass sowohl die Pflanzen als auch die Pilze mit Nährstoffen versorgt werden, die sie nicht selbst herstellen können, und andererseits für eine Möglichkeit, Nachrichten über weite Gebiete auszutauschen. Denn ein Pilz steht nicht nur mit einer einzelnen Pflanze in Kontakt, sondern mit mehreren Bäumen im Wald. Pilze sind ja nicht nur die Fruchtkörper, die wir auf dem Waldboden sehen, sondern vor allem ein Geflecht von kilometerlangen feinen Fäden. So ein Pilz kann riesengroß werden. Der größte Pilz der Welt ist so groß wie Kemnat und Ruit zusammen – vom Paracelsus-Krankenhaus bis zur Körsch und vom Kurrenwald bis zu den Talwiesen am Höfelbach.


Auch die Stinkmorchel sendet Signale an Insekten. Bei ihr ist es allerdings ein für Menschen unangenehmer Aasgeruch.

Weil dieses Netzwerk aus Baumwurzeln und Pilzmyzel der Kommunikation der Bäume untereinander dient, wird es auch als “Wood Wide Web” bezeichnet. Es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie in der Natur um uns herum alles mit allem irgendwie zusammenhängt. Das dürfte doch auch Gesprächsstoff für Euch bieten, wenn Ihr Euch nach Eurem Achsenspaziergang jetzt am Rossertspielplatz ausruht!


Buntspecht - man kann ihn rufen und hämmern hören.