Natur im Dorf

Dem niederliegenden Mastkraut, dem Löwenzahn und dem Klee macht es wenig aus, wenn täglich Leute drüberlaufen.
Dem niederliegenden Mastkraut, dem Löwenzahn und dem Klee macht es wenig aus, wenn täglich Leute drüberlaufen.
Das Zimbelkraut versteckt seine Samen vorsorglich in Mauerritzen.
Das Zimbelkraut versteckt seine Samen vorsorglich in Mauerritzen.
Die Mauerraute wächst am Hirschbrunnen.
Die Mauerraute wächst am Hirschbrunnen.
Turmfalke (Bild: Dennis Nedry)
Turmfalke (Bild: Dennis Nedry)
Ein junges Hausrotschwänzchen (Bild: Dennis Nedry)
Ein junges Hausrotschwänzchen (Bild: Dennis Nedry)
Kohlweißling - ein häufiger Besucher unserer Vorgärten - hier auf einer Storchenschnabelblüte
Kohlweißling - ein häufiger Besucher unserer Vorgärten - hier auf einer Storchenschnabelblüte

Wir beginnen unsere Naturachse mitten im Dorf, so wie unser Dorf mitten in der Natur begonnen hat.

Im Lauf der Zeit hat der Mensch die Natur immer mehr zur Seite gedrängt, aber es gibt doch viele Lebewesen, die sich nicht verdrängen haben lassen.
Da findet man zum Beispiel das Niederliegende Mastkraut oder den Vogelknöterich, unscheinbare Pflanzen, die in den Fugen der Pflastersteine wachsen und es sogar aushalten, wenn Tag für Tag Leute darauf herumlaufen.
Aber einige halten das Leben im Dorf nicht nur aus, sondern sie sind sogar so gut daran angepasst, dass sie hier besser zurechtkommen als außerhalb. Das Zimbelkraut wäre hier zu nennen: Es gedeiht gut in Mauerritzen, und deswegen biegt es, nachdem die Blüten verwelkt sind, die Stängel mit dem Fruchtständen in geeignete Spalten, damit die Samen von vornherein an der richtigen Stelle platziert sind. Das wäre sozusagen das Kemnater Äquivalent zur Erdnuss, die ja auch Ihre Nüsse direkt im Boden ausreifen lässt.


Der Vogelknöterich gedeiht auch in engen Ritzen im Asphalt.

Und nicht nur Pflanzen fühlen sich hier wohl. Manche von uns haben – wenn auch indirekt – schon unangenehme Bekanntschaft mit Steinmardern gemacht, entweder, weil sie hin und wieder in Kaninchenställe und ähnliches eindringen und dort Beute machen, häufiger aber, weil sie parkende Autos heimlich erheblich beschädigen können.
Steinmarder beziehen gerne ihr Quartier in Häusern, z.B. in Dachböden. Das haben sie auch mit Turmfalken gemeinsam. Der Kemnater Kirchturm ist z.B. ein beliebter Nistplatz für Turmfalkenpärchen. Vielleicht könnt Ihr, wenn Ihr genau hinseht, erkennen, ob dieses Jahr auch Turmfalken dort wohnen. Und horcht mal, ob Ihr das typische Vit-vit-vit vernehmen könnt!


Steinmarder (Bild: Dennis Nedry)

Bei den Turmfalken steckt ein menschliches Gebäude schon im Namen. Sie teilen sich im Sommer den Luftraum mit anderen Fliegern, für die das gleiche gilt: den Mauerseglern. Auch die flinken Segler sind besonders über bebautem Gebiet zu sehen, und Ihre Nester sind auch vorzugsweise an Häusern zu finden. Am liebsten halten sich die Mauersegler aber in der Luft auf, wo sie ihr Futter fangen und sogar schlafen. Sie können zehn ganze Monate in der Luft bleiben, ohne ein einziges Mal zu landen! Nur das Brüten erledigen sie nicht im Flug.
Auf unserem Weg zum nächsten Achsenpunkt könnt Ihr ja mal die Augen offen halten, ob Ihr Flechten auf den Bordsteinen, Hausrotschwänzchen auf den Hausdächern oder Kohlweißlinge in den Vorgärten entdecken könnt.Oder vielleicht seht Ihr einen Finken, der sich an den Samen des Vogelknöterichs gütlich tut. Schreibt uns gerne eine Mail, ruhig auch mit Bildern, wenn Ihr eine besondere Tier- oder Pflanzenart findet!


Ein Mauersegler beim Brüten (Bild: Dennis Nedry)